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Macht Spielzeug schlau?

PISA hat deutsche Eltern verändert – nicht immer zum Vorteil der Kinder.

Regensburg. (utp) Die Sorge geht um in deutschen Elternhäusern. Der Konkurrenzdruck um die besten Arbeitsplätze für den Nachwuchs hat sich wie ein Krebsgeschwür in den Köpfen von vielen Eltern eingenistet. Die Folge: Spielen wird zur Arbeit statt zur lustvollen Tätigkeit. Eltern verlieren das gegenwärtige Wohl ihrer Kinder aus den Augen, weil sie die Zukunft ihrer Kinder im Blick haben.

Mitschuld an der grassierenden Epidemie hat PISA. Die Deutschen, hieß es, würden mit ihrem “Humankapital” nicht sorgsam genug umgehen. Sie investieren zu wenig in die Bildung. Sie pumpen zwar kräftig in die Oberstufe, schenken aber der Prima- und Sekundarstufe 1 nicht genügend Beachtung. Vor allem im vorschulischen Bereich hapere es hinten und vorne.

Der Schlag saß. Das deutsche Schulsystem wurde zur Dauerbaustelle. Da die frühkindliche Entwicklung von so großer Bedeutung ist, entdeckte auch die Spielzeugindustrie das Thema für sich. Beistand erhält sie dabei von Neurowissenschaftlern mit ihren Erkenntnissen über Lernprozesse in den ersten Lebensjahren. Reichte für gutes Spielzeug früher Spielwert und ein hoher Spaßfaktor, muss es inzwischen einen “eingebauten Lerneffekt” bieten.

Die gute Absicht schlägt ins Gegenteil um, wenn Spielzeug Kinder überfordert und Spielen eine nach Maßgaben von Erwachsenen geplante Übung wird. Engagierte Spielwarenhersteller setzen deshalb auch lieber auf Kreativität und Fantasie in ihren Spielzeugen, als dass sie von Fit- und Schlaumachern sprechen. Aus gutem Grund. Die Fokussierung auf die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Lernen in den ersten Lebensjahren vor allem über Wahrnehmung und Bewegung geprägt wird. Je mehr Sinne am Spielen beteiligt sind und je größer der Spaß im und am Spiel ist, umso besser lernen wir. Das nicht zielgerichtete, freie Spiel mit Bauklötzen steht dabei in nichts dem Spielen mit Kinderküche, Kaufladen oder Werkbank nach, bei dem die Erwachsenen als Vorbilder dienen. Lernen ist eben nicht immer ein absichtsvoller und bewusster Vorgang. Wer Kindern zuschaut sieht, dass unter ihren Händen alles zum Spielzeug wird, ohne dass die Absicht vorliegt, einen größtglichen Nutzen oder Lerneffekt daraus zu ziehen.


Lernen tun wir immer, sagt die Hirnforschung, weil das Gehirn nicht anders kann als zu lernen. Spielen und Spielzeug stimuliert folglich das Denken. Gutes Spielzeug entfaltet damit eine Eigenschaft, die in uns angelegt ist. Es liegt an uns Eltern zu entscheiden, was und wie gespielt wird und was unsere Kinder lernen wollen. Mehr freies Spiel wäre manchmal mehr wert als jede noch so gute Absicht, Kinder möglichst früh fit für den Konkurrenzkampf zu machen. Spielzeug macht nicht schlau. Aber in guten Momenten macht es frei und glücklich. Das ist mehr, als jede gut gemeinte Förderung je schaffen würde.

 
 
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